Der Landesfrauenrat Berlin nimmt immer wieder zu aktuellen politischen Themen Stellung. Hier finden Sie unsere aktuellsten Stellungnahmen:

Ein Offener Brief: 100 Jahre Frauenwahlrecht – Zeit für 50% Frauen in den Parlamenten!

April 2018

Sehr geehrte Damen,

anlässlich der aktuellen politischen Situation hat sich der Landesfrauenrat Berlin auf seiner
Veranstaltung am 23. April 2018 mit dem Anteil von Frauen in den Parlamenten beschäftigt.
Der Frauenanteil im Bundestag ist seit der Wahl im September 2017 auf ein historisches Tief
von 30,7% gesunken, im Berliner Abgeordnetenhaus ist er 2016 auf 33% gesunken, in den Berliner
Bezirken sieht es ähnlich aus.

Menschen werden – nicht nur – in unserem Kulturkreis als Frauen und Männer erzogen und
haben sehr verschiedene Lebensentwürfe (dabei wird auch das jetzt anerkannte dritte Geschlecht nicht oder nur marginal berücksichtigt). Sie haben nicht die gleichen Chancen, ihr passives Wahlrecht wahrzunehmen.  Damit Frauen ihre Interessen auch in den Parlamenten vertreten können, bedarf es auch einer Veränderung der politischen Kultur (z.B. klare Kommunikations- und Anwesenheitsregeln, die Nutzung digitaler Medien für Debatten), aber es braucht zunächst auch eine genügend große Anzahl von Frauen, um diese Veränderungen um- und durchzusetzen.

Der Landtag Brandenburg zeigt gerade mit einer Gesetzesinitiative, wie dazu das Landeswahlgesetz zu ändern ist: Inklusives Parité-Gesetz
(Drittes Gesetz zur Änderung des Brandenburgischen Landeswahlgesetzes)

Bereits 2017 haben sich überparteilich und unabhängig 17 bundesweite Frauenverbände auf
eine gemeinsame politische Position geeinigt: die Berliner Erklärung

Viele wertvolle Informationen zur Argumentation für dieses Anliegen ist ebenso die Expertise der Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e. V. (EAF): http://www.frauen-macht-politik.de/paritaetsgesetz.html

Der Landesfrauenrat Berlin fordert Sie und Ihre Fraktionen auf, dafür zu sorgen, dass Frauen
und Männer gemäß ihres Anteils in der Bevölkerung zu gleichen Teilen im Parlament vertreten sind, ihr passives Wahlrecht wahrnehmen und politische Verantwortung übernehmen können.

Ein offener Brief: Sexismus in der Werbung

März 2018

Sehr geehrte Frau Senatorin Kolat,

anlässlich der aktuellen öffentlichen Debatte haben wir uns im Rahmen unserer Veranstaltung unter dem Titel #metoo – wir auch?! am 12. März 2018 mit der Initiative gegen Sexismus in der Werbung beschäftigt.
Wir diskutierten dabei mit den Frauen aus unseren Verbänden, mit Bürgerinnen Berlins auch über Diskriminierung am Arbeitsplatz, den Zusammenhang von Macht und Sexismus und dar-über, wie wir dem alltäglichen Sexismus begegnen können. Es ging uns auch um den öffentli-chen Raum und das Bewusstmachen, welche Wirkung zum Beispiel sexistische Werbung hat.Unsere Diskussion wurde sowohl von den altbekannten Forderungen der Frauenbewegung, als auch den Wünschen nach politischem Handeln bestimmt.

Ein gutes Beispiel für den Umgang mit sexistischer Werbung liegt bereits mit dem Handlungs-leitfaden aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin aus dem Jahr 2017 vor:https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung.633293.php

Als Ergebnis der Erörterungen würde es der Vorstand des Landesfrauenrats Berlin begrüßen, wenn dieser Leitfaden landesweit umgesetzt werden könnte, um Handlungsoptionen zur Ver-hinderung von sexistischer, diskriminierender oder frauenfeindlicher Werbung zu eröffnen.

Eine diesbezügliche Initiative der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, die darüber hinaus auch die Zielsetzungen des Koalitionsvertrags erfüllt, würden wir als
Landesfrauenrat Berlin ausdrücklich unterstützen und öffentlichkeitswirksam verbreiten.

 2018-03-27_Brief der Senatsverwaltung an BzBm _Thema Sexismus in der Werbung

 

Zur sogenannten Kopftuchdebatte oder warum wir weiter miteinander reden müssen

Dezember 2017

Im Rahmen einer öffentlichen Erörterung des Berliner Landesfrauenrats wurde sehr ausführlich diskutiert, inwiefern das Tragen eines Kopftuches aus religiösen Gründen in öffentlichen Einrichtungen befürwortet oder abgelehnt werden könnte.

Die Teilnehmerinnen des Plenums am 27.11.2017 waren sich einig darüber, dass jede Frau selbst entscheiden können sollte, ob sie aus religiöser Überzeugung eine Kopfbedeckung tragen möchte, oder nicht.

Dabei wurde deutlich, dass es keine unbedingten und im heutigen Kontext zwingenden Gebote im Islam gibt, die es Frauen vorschreibt, ein Kopftuch, einen Hijab oder gar eine Burka zu tragen. Diese Auslegungen sind kulturell gefärbt und interpretierbar.

Also bleibt die Frage offen: Ist das Kopftuch ein religiöses Symbol, oder nicht?

Die Befürworterinnen dieser Bekleidungsvorschrift wenden ein, dass es das Gebot der Religionsfreiheit erlaubt, sich seinem Bekenntnis entsprechend zu verhüllen. Dies würde allerdings das Kopftuch zu einem Symbol der Religion machen und es wäre gleichsam wie ein Kreuz für den christlichen Glauben eingeschätzt werden müssen.

Die Gegnerinnen dieser Ausrichtung bezeichnen die Notwendigkeit für Muslima, eine Kopfbedeckung zu tragen und ihr Haar zu verbergen, als Bestandteil einer patriarchalischen Gesellschaftsstruktur. Frauen sollen ihre Reize verhüllen um den potentiell omnipotenten Männern keine ‚Angriffsfläche‘ zu bieten, während Männer mit ihrer Körperlichkeit frei umgehen können.

Vermutlich liegt die Wahrheit – wie stets – irgendwo in der Mitte. Nirgendwo im Koran ist die Rede davon, dass Frauen ein Kopftuch tragen sollen. Eher ist die Rede davon, dass Frauen wie Männer ihre Reize bedecken sollen.

Im Entstehungskontext der Schrift betrachtet macht das unter Umständen auch Sinn. Ob es heute und in den gegebenen klimatischen, hygienischen und sozialen Umständen noch angemessen ist, bleibt fraglich und würde das ‚Kopftuch‘ in eine Reihe rücken mit traditionellen Sitten und Gebräuchen. Grundsätzlich wäre also festzuhalten: Jede soll nach ihrer Façon glücklich werden – nicht zuletzt in Berlin ist das sicherlich für alle gültig!

Schwieriger ist die Ausgangslage in den Schulen: Übt es einen Druck zur Traditionalisierung auf Mädchen aus, wenn die Lehrerin Kopftuch trägt? Oder ist es ein Ausdruck der Toleranz von Vielfältigkeit?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Und auch der Vorstand des Landesfrauenrats hat hier keine abschließende Wahrheit gefunden. Religiöse Symbole – wie zum Beispiel das Kreuz im öffentlichen Klassenraum – wurden abgeschafft, um keine einseitig ausgerichtete Tendenz zu suggerieren. Aber ist das Kopftuch nun ein religiöses Symbol? Oder ist es eine Kleiderordnung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe und zu tolerieren?

Der Vorstand des Landesfrauenrats möchte daher offen bleiben für weitere Debatten und fordert alle Mitglieder und alle Frauen Berlins auf, weiter im Gespräch zu bleiben – hauptsächlich auch im Gespräch mit den Frauen, die das Kopftuch tragen möchten!

Wie werden weitere Veranstaltungen organisieren, damit diese Diskussion weiter geführt werden kann und hoffen auf eine konstruktive und zukunftsweisende Auseinandersetzung mit allen Beteiligten.

 

Weitere Stellungnahmen:

26/04/2018 Offener Brief an Senatorin Dilek Kolat und die frauenpolitischen Sprecherinnen der AGH-Fraktionen

14/03/2018 Brief Senatorin Dilek Kolat März 2018

 2018-03-27_Brief der Senatsverwaltung an BzBm _Thema Sexismus in der Werbung

18/09/2017 Zur Situation geflüchteter Frauen in Berlin

17/05/2017 Zukunft der Pflege in Berlin

01/02/2017 Die Hälfte der Macht den Frauen – Stellungnahme zum Koalitionsvertrag von R2G

 

 

 

 

 

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