ADS-Leiterin für Frauenquote in der Wirtschaft

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, hat Ende Januar eine Frauenquote für Führungspositionen in der Wirtschaft gefordert. „Bis Frauen gleichberechtigt in den Toppositionen der Unternehmen vertreten sind, ist es noch ein weiter Weg. Die Vorstände der umsatzstärksten deutschen Firmen sind noch immer nahezu frauenfreie Zonen. So genannte Selbstverpflichtungen reichen offenkundig nicht aus, damit wir in der Sache vorankommen. Diese Benachteiligungen von Frauen müssen wir mit effektiveren Instrumenten beseitigen“, erklärte Lüders in Bezug auf eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Danach sitzen in den Vorständen der 100 umsatzstärksten Unternehmen gerade einmal vier Frauen neben 437 Männern. Lüders: „Das ist nicht nur peinlich für die Wirtschaft, sondern auch schädlich für die Unternehmen selbst.“ Teams, die die Vielfalt unserer Gesellschaft abbilden, seien nachweislich effizienter und leistungsfähiger.

Die ADS-Leiterin betonte außerdem, dass es zwar schön sei, wenn sich fast alle Parteien einig seien, dass wir eine Quote brauchen. Aber man solle jetzt nicht um die Nuancen der Höhe der Quote streiten, sondern an der Umsetzung arbeiten. Quoten-Hickhack um Prozente schadeten der Sache, denn Deutschland brauche die Quote dringend. Lüders verwies in diesem Zusammenhang auf andere europäische Länder: So habe Norwegen im Jahre 2008 die Nichterfüllung der gesetzlichen Frauenquote von 40 Prozent für Aufsichtsräte mit Sanktionen belegt. Mit Erfolg: Im Jahr darauf saßen in den höchsten Entscheidungsgremien 42 Prozent Frauen. Auch die Niederlande, Frankreich und andere haben sich für die Quote entschieden. „Deutschland muss dringend nachziehen.“

Lüders argumentiert auch mit Fällen aus der Beratung der ADS, die eine Diskriminierung von Frauen belegen: „Immer wieder wenden sich Frauen an uns, weil sie wegen ihres Geschlechts am beruflichen Aufstieg gehindert werden. Sehr oft stehen diese Fälle in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft oder der Elternzeit.“ So wurde eine schwangere Frau aufgefordert, ihr Amt im Vorstand einer Aktiengesellschaft noch vor der Geburt des Kindes niederzulegen. Eine andere Frau erhielt wegen der Elternzeit die ursprünglich vorgesehene Stelle nicht – stattdessen wurde sie mit einem männlichen Kollegen besetzt. Wieder andere Arbeitnehmerinnen berichteten von schlechteren Beurteilungen aufgrund ihrer Schwangerschaft im Vergleich zu männlichen Kollegen. Auch von Fällen einer schlechter gestellten Tätigkeit nach Rückkehr aus der Elternzeit wurde berichtet. „Diese Fälle zeigen, dass Frauen insbesondere wegen Kindern am beruflichen Aufstieg gehindert werden. Es darf aber nicht sein, dass hoch motivierte und gut ausgebildete Frauen benachteiligt werden, denn dies schadet der Gesellschaft", so Lüders. "Wir müssen deshalb mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun und dafür sorgen, dass die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht nur an der physischen Präsenz im Büro gemessen wird.“

Weitere Informationen unter http://www.antidiskriminierungsstelle.de

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