Lese-Tipps (nicht nur) zum Jahreswechsel

Der LFR Berlin hat wieder ein paar Lese-Tipps für wache Frauen zusammengestellt, die die "Zeit zwischen den Jahren" mit spannender Lektüre verkürzen und auf ein erfolgreiches 2012 einstimmen: Ob Frauenzitate, Frauen in Parteien, Frauensicht auf Migration und Integration, Frauenmythen oder Lebensgestaltung – wer sich für Frauenleben einst und heute interessiert, wird hier sicher fündig.

Endlich sinnvolle Frauenzitate
Dieses (Geschenk-)Buch ist genau richtig für Frauen, die mit Mut, Kompetenz und Klugheit ihre Ziele verfolgen: „Erfolg buchstabiert sich T-U-N“ enthält Klugheiten von über 200 Frauen aus elf Jahrhunderten – von Teresa von Ávila über Simone de Beauvoir bis Steffi Graf und Lady Gaga. Das von der Unternehmerin und Management-Trainerin Susanne Westphal entliehene und der Kategorie „Einsatz“ zugeordnete Titel-Zitat ist einer der vielfältigen Ratschläge, Weisheiten und Sprüche mit Aha-Effekt. Und weil in diesem Buch nicht nur geschmökert werden, sondern mit ihm auch gearbeitet werden soll, sind jeder Kategorie von Ausdauer bis Ziel leere Seiten beigeheftet, die als „Gedankenräume“ für eigene Notizen bestens geeignet sind.

Kleiner Nachteil für die Nutzerin: Das Verzeichnis der Zitatautorinnen weist keine Seitenangaben aus und zu den wohlüberlegten Kategorien findet sich weder im Inhaltsverzeichnis noch im Anhang eine Übersicht. Dennoch ist diese Gabe zu empfehlen – zum Verschenken oder für den Selbstgebrauch, denn die handverlesenen Frauenzitate machen Lust auf Macht, Erfolg und Geld. Völlig zu Recht erhebt das Sammelduo den Anspruch, mit dem Bändchen eine Lücke zu schließen, da das Zitieren weiblicher Persönlichkeiten sonst fast ausschließlich im Fach Liebe und Romantik zu Hause ist. Die Widmung „Für unsere Mütter“ ist treffend.

Franken, Andreas und Rohner, Isabel (Hg.): Erfolg buchstabiert sich T-U-N. Kluge Frauen über Macht, Erfolg und Geld. Ulriker Helmer Verlag Sulz-bach 2011, 192 Seiten, 12.95 Euro.

Feigenblatt oder emanzipatorische Kraft?
Wie groß ist der Einfluss der Parteifrauen und ihrer Organisationen auf ihre Partei? Angesichts der Debatten um Frauenanteile in politischen Führungspositionen – jüngst im Berliner Senat und im Abgeordnetenhaus und immer wieder in den Vorständen und auf den Kandidatenlisten gleich welcher Partei – ist diese Frage trotz aller gleichstellungspolitischen Erfolge berechtigt und brennend aktuell. Doch ebenso nüchtern und klar fällt die Antwort aus: Die Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten der Frauenorganisationen in Parteien sind unter den derzeitigen gesellschaftlichen und perteipolitischen Rahmenbedingungen eher gering. Selten kommen sie über eine Feigenblattfunktion hinaus. Dieses Fazit zieht Cathleen Kiefert nach 330seitiger Auswertung von Dokumenten und Interviews in ihrer als Dissertation vorgelegten Studie zu Frauenorganisationen in den Parteien, die aktuell im Bundestag vertreten sind. Dabei lohnt das genauere Lesen der Darstellungen der verschiedenen differenziert betrachteten Organisationen, denn ab und an sind sie in Programmatik, thematischen Einzelfragen oder öffentlichkeitswirksamen Aktionen eben doch mehr als ein Feigenblatt. Dass dies nicht für alle Parteien, sondern vielmehr punktuell gilt, dürfte eigentlich klar sein.

Kiefert verweist darauf, dass die Parteien dennoch nicht ohne ihre Frauenorganisationen auskommen können, da diese jeweils einen Beitrag zum „innerparteilichen Geschlechterfrieden“ leisten. Gleichwohl werde die Notwendigkeit einer konsequenten Frauen- und Gleichstellungspolitik vor allem in den Parteiführungen kaum gesehen. Die Autorin vermerkt, dass der Einfluss der Parteifrauen und ihrer Organisationen stets dann am größten war, wenn Frauenpolitik auch außerhalb des Parlaments in der breiten Öffentlichkeit Hochkonjunktur hatte, wie etwa zur Zeit der so genannten neuen deutschen Frauenbewegung. Sie war Druckmittel und Argumentationshilfe zugleich und mit ihrem Schwinden schwand auch wieder der Einfluss der Parteifrauen. Die (damals) bereits durchgesetzten Forderungen müssen nun teils mit erheblichem Kraftaufwand gesichert werden, so dass schon kleine Erfolge groß gefeiert werden.

Am Ende der gut fundierten und prä-zis ausgearbeiteten Studie bleiben aber Fragen offen, die Cathleen Kiefert auch unumwunden einräumt: Wie wirkt sich zum Beispiel das Engagement in den parteiinternen Frauengremien auf die Parteikarriere aus? Welche Bedeutung haben die Parteifrauen in Wahlkämpfen – sind sie nur Helferin oder werden sie bewusst als aussichtsreiche Kandidatin inszeniert? Gibt es in den Bundesländern Unterschiede des parteipolitischen Einflusses von Frauen? Fragen über Fragen, die das Thema Frauen und Politik spannend halten.

Kiefert, Cathleen: Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte. Die Frauenorganisationen in den deutschen Parteien. Nomos Verlag Baden Baden 2011, 394 Seiten.

Frauensicht auf Zuwanderung
Der Sammelband „Femina Migrans“ nimmt die Besonderheiten weiblicher Migration in den Blick und diskutiert die vorherrschenden Geschlechterkonzepte sowohl im Herkunfts- als auch im Aufnahmeland. Er basiert auf der Tagung „zwischenWelten – Frauen in Migrationsprozessen“, die im Juni 2010 der Verein Frauen und Geschichte Baden-Württemberg in Kooperation mit der örtlichen Landeszentrale für Politische Bildung durchgeführt hat, und will die historische und gegenwartsbezogene Geschlechterforschung mit der aktuellen politischen Debatte zusammenführen. Das ist erstaunlich gut in drei Schritten gelungen: Zunächst erschließt die Zusammenstellung von Edeltraut Aubele und Gabriele Pieri geschlechtsspezifische Aspekte von Wanderungsprozessen anhand von Fallbeispielen aus unterschiedlichen Jahrhunderten – darunter eine Betrachtung polnischer Migrantinnen, die zur Zeit Marie Curies ihre Heimat mit dem Ziel des Wissenserwerbs verlassen haben, und ein kluger Aufsatz zum „Vertreibungsschicksal“ von Frauen –, widmet sich im zweiten Teil der sozialwissenschaftlichen Migrationsforschung, der medialen Rezeption von Gender und Migration und deren musealer Vermittlung – hier ist insbesondere die Begriffsgeschichte (Ausländer, Migranten, Menschen mit Migrationshintergrund) und deren genderspezifische Wendung beachtlich –, und erörtert im letzten Teil die Schnittmenge der Themenfelder weibliche Migration und Bildung – inklusive der Vorstellung zweier Initiativen in Ulm und Stuttgart.

Das Anliegen kann in folgendem Zitat zusammengefasst werden: „Der Gender-Aspekt ist in der sozialhistorischen Migrationsforschung ein vernachlässigter Faktor. Wie viele andere Aspekte des Gender-Ansatzes ist auch die Frauenmigration in der historischen Perspektive ein noch kaum beachtetes und unzureichend erforschtes Feld, das immer noch dem Irrtum unterliegt“, schreibt Iwona Dadej in ihrem Text über Marie Curie und ihre Schwestern. Das ist treffend auch für die zeitgenössische Perspektive, wenn zum Beispiel bei der Erinnerung an „50 Jahre Gastarbeiter in Deutschland“ 2011 vornehmlich männliche Einwandererbiografien von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. So gesehen ist es erforderlich, verstärkt die Migrationserfahrung von Frauen in die historische und gegenwartsbezogene Forschung einzubeziehen. Nur so wird auch die aktuelle Situation und das Lebensgefühl junger Frauen mit Migrationshintergrund nachvollziehbarer. Nur so wird klar, dass sich auch Integration geschlechtsbezogen vollzieht und Politik und Gesellschaft darauf geschlechtsspezifisch reagieren müssen.
Aubele, Edeltraut und Pieri,Gabriele (Hg.): Femina Migrans - Frauen in Migrationsprozessen (18.-20. Jahrhundert), Ulriker Helmer Verlag Sulzbach 2011, 222 Seiten, 19,95 Euro.

Ideales Frauenbild Luise
Als „Idealbild deutscher Weiblichkeit“ wurde einst die preußische Königin Luise (1776–1810) verehrt. Der historische Mythos um ihre Person verband in dieser Zuschreibung Geschlechterkonstruktion und Nationalismus, wie Birte Förster in ihrer Dissertation nachweist. Wohltuend beschränkt sich die Autorin dabei nicht auf bloße Beschreibungen, wie in den populären Unterhaltungsmedien zwischen 1860 und 1960 nationalisierte Weiblichkeit dargestellt worden ist. Sie gibt auch Auskunft über deren gesellschaftliche Bedeutung und Reichweite und stellt sie ingesamt in einen historischen Kontext, der bis in die moderne Zeit nachwirkt. Die regionale und konfessionelle Verbreitung des Mythos und seine institutionelle Verankerung in Schulen, Festakten, Denkmalsenthüllungen und weitere Vereinnahmungen und soziale Praktiken rund um die Königinnenverehrung und der damit verbundenen Stereotypisierungen bilden zusammengenommen eine spannende Untersuchung des Königin Luise-Mythos. Methodisch ist die Arbeit interessant, weil drei Forschungsfelder berührt werden: die aktuelle Nationalismusforschung, historische Gender Studies sowie Medientheorie und -geschichte. Lesenswert für wissenschaftlich interessierte Luise-Fans.

Förster, Birte: Der Königin Luise-My-thos. Mediengeschichte des „Ideal-bilds deutscher Weiblichkeit“ 1860–1960. Vandenhoeck & Ruprecht Göt-tingen 2011. 492 Seiten, 62,90 Euro.

Sinn und Tiefe des Lebens
Was ist mir wirklich wichtig? Wie kann ich in meinem Leben mehr Sinn erkennen? Welche Beziehungen will ich klären? Was will ich erreichen und welche Spuren möchte ich damit hinterlassen? Mit Geschichten, Praxisbeispielen und sieben ungewöhnlichen Übungen will Ulrike Scheuermann (Diplompsychologin, Coach) ihren LeserInnen den Impuls für den Weg zu einem erfüllten Leben geben – ganz nach dem Motto „Wenn morgen mein letzter Tag wäre...“. Mit einem Wort: Ein toller Geschenktipp – auch für sich selbst!

Scheuermann, Ulrike: Das Leben wartet nicht. 7 Schritte zum Wesent-lichen. Knaur Taschenbuch 2011, 224 Seiten, 9,99 Euro.

Autorin: Sabine Röhrbein

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