LandesFrauenRat Berlin e.V.
Geschäftsstelle
Sigmaringer Straße 1
D-10713 Berlin
Tel: +49 (0)30 - 78 57 01 0
Fax: +49 (0)30 - 86 00 88 40
E-Mail: info@lfr-berlin.de
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat pünktlich zum 14. November 2011 eine Untersuchung zu Frauen in Politik und Verwaltung veröffentlicht. Anlass war das 50-jährige Jubiläum der Ernennung der ersten Frau als Bundesministerin: Elisabeth Schwarzhaupt wurde am 14. November 1961 dank geballter Frauenpower der CDU-/CSU-Abgeordneten neue Gesundheitsministerin - gegen den Willen des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Sein Unwille ist heute noch auf dem Ernennungsfoto deutlich dokumentiert. Nach drei frauenfreien Legislaturperioden der noch jungen Bundesrepublik Deutschland kam endlich eine Frau, gelernte und hochqualifizierte Juristin, zum Zuge. Seit Schwarzkopfs Ernennung waren zwar in jedem Bundeskabinett ein bis zwei Alibi-Frauen vertreten. Erfreulicher wurde es jedoch erst, als Kanzler Gerhard Schröder (SPD) 1998 in fünf von 15 Ministerien Frauen an die Spitze setzte. Im Kabinett Angela Merkel ist ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt. Damit liegt der Frauenanteil bei den Ministern, so das IW Köln, deutlich über dem Chefinnen-Durchschnitt in den obersten Bundesbehörden. Da waren es im Jahr 2009 rund 23 Prozent aller Führungspositionen.
Noch mauer sieht es bei den beamteten Staatssekretären aus, die de facto die Ministerien leiten und auch regelmäßig politische Schwergewichte sind. Von diesen einflussreichen Posten sind derzeit gerade einmal fünf mit Frauen besetzt, was die Abteilungsleiterin Gleichstellung, Chancengleichheit im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Eva Welskop-Deffaa, auf einer Veranstaltung zum Thema "Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung" im November 2011 verblüffenderweise als Durchbruch bezeichnete. Zuvor hätte es immer nur eine beamtete Staatssekretärin gegeben. Welskop-Deffaa kommt zudem im Hinblick auf die im Zuge des Bundesgleichstellungsgesetzes seit 2001 angestrebte Geschlechterparität aus einem Ministerium, in dem geradezu paradiesische Zustände herrschen: 48 Prozent beträgt im BMFSFJ der Anteil der Frauen in Leitungsfunktionen. Das Vorbild hat noch keine eifrigen Nachahmer gefunden. Im Auswärtigen Amt beträgt die Quote der Chefinnen gerade einmal elf Prozent.
Das IW Köln hat ausgerechnet, dass es ungeachtet des Bundesgleichstellungsgesetzes und des Bundesgremienbesetzungsgesetzes noch lange dauern wird, bis alle Leitungsfunktionen in den obersten Bundesbehörden paritätisch mit Frauen besetzt sind: Schlappe 30 Jahre. Das ist immerhin fast doppelt so schnell wie in der Wirtschaft. Dort sind es über 50 Jahre, die wir uns noch gedulden sollen. Das darf tun, wer mag. Frau jedenfalls nicht. Wie hieß doch ein Slogan in den 1990er Jahren aus dem damaligen Frauenministerium? Liebe gleich berechtigt als später. Stimmt.
Autorin: Juliane von Friesen