Filmtipp: Hidden Figures

Posted by on Mrz 29, 2017 in Allgemein

Die drei Hauptdarstellerinnen Octavia Spencer, Taraji P. Henson und Janelle Monáe bei der Pressekonferenz im Kennedy Space Center. Foto: NASA/Kim Shiflett, siehe NASA image use policy

Eine Rezension von Yalda-Hannah Franzen

Drei Frauen quetschen sich in ein kleines, klappriges Auto, um zusammen zur Arbeit zu fahren. Mitten auf einer Landstraße in Virginia bleibt das Auto liegen, von hinten nähert sich die Polizei – die Frauen sind keinesfalls erleichtert, sondern werfen sich besorgte Blicke zu, denn die drei Frauen sind schwarz und wir befinden uns im Jahr 1961 in den Südstaaten. Für Women of Color zu dieser Zeit – so macht der Film an dieser Stelle deutlich – bedeutet jede Begegnung mit der Polizei auch eine Bedrohung.

Mit diesem Aufeinandertreffen beginnt der aktuelle Film von Theodor Melfi und seiner Co-Autorin Allison Schroeder und gibt somit unmittelbar Einblick in die amerikanische Geschichte der 50-er und 60-er Jahre, in Rassentrennung, Rassismus und Sexismus. Ein Blick zurück durch die Brillen dreier afroamerikanischer Frauen, basierend auf dem Sachbuch von Margot Lee Shetterly über afroamerikanische Mathematikerinnen bei der NASA. Hidden Figures spielt kurz vor dem Civil Rights Act von Lyondon B. Johnson, mit dem der US-Präsident 1964 die Trennung von Schwarzen und Weißen zumindest juristisch aufhob.

So verlangt die Polizei neben einer Rechtfertigung auch die Ausweise der Damen. Schlussendlich eskortiert sie die drei jedoch mit Blaulicht zu ihrer Arbeitsstelle. Die plötzliche Hilfsbereitschaft des Polizisten hat wenig mit Nächstenliebe zu tun, sondern vielmehr mit der für die Beamten unerwarteten Tatsache, dass jene drei Frauen für niemand anderen als für die NASA tätig sind. In den 50-ern und 60-ern liefern sich die USA und die Sowjetunion ein Wettrennen: Welche der beiden Supermächte wird als erste eine Rakete ins All schicken? Um solch eine Mission erfolgreich umzusetzen, brauchte die Nasa jeden fachkundigen Mann und zwangsweise auch jede fachkundige schwarze Frau. Allerdings nur jene, die sich durch exzellente Leistungen hervorgetan hatten. Drei von ihnen rücken in Melfis Werk in den Fokus: Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson.

Während Astronauten und Entscheidungsträger im Scheinwerferlicht die Landung im All planen, sitzen Katherine, Dorothy, Mary und ihr Team aus gleichgesinnten Afroamerikanerinnen im Rechenzentrum für Colored Women in einem Seitengebäude der Nasa und kämpfen ebenfalls darum, ein paar Etagen höher zu kommen. Das heißt in ihrem Fall: raus aus dem Kellerraumbüro.

Die schüchterne Katherine steigt aufgrund ihrer Kenntnisse über Vektorgeometrie in das Team von All Harrison und seinen weißen Männern auf. Sie soll Berechnungen anstellen, mit denen man eine Rakete wieder sicher auf die Erde zurück bringen kann. Dass sie an ihrem ersten Tag im neuen Büro mit der Putzfrau verwechselt wird, ist nur eine von vielen Szenen, die den Rassismus zu Tage bringen. Mit einem Gefühl von Fremdscham verfolgen die Zuschauer, wie Katherine jeden Tag 40 Minuten lang zur Toilette für die Colored Ladies laufen muss.

Auch Dorothy kämpft mit ihrer rassistischen Vorgesetzten, die ihre Aufstiegschancen systematisch verstellt. Dorothy ist die Fadenzieherin im Rechenzentrum der Women of Color. Als Koordinatorin und Mentorin, ohne jedoch für diese Tätigkeiten bezahlt zu werden, macht sie ihre Ladies fit für die neu angeschafften Rechenmaschinen von IBM. Und Mary, die kesseste Lippe unter den drei, zieht für ihren Traum, im Ingenieursteam der NASA zu arbeiten, sogar vor Gericht, um Abendkurse an einer Schule zu besuchen, die eigentlich nur Weißen vorbehalten ist.

Trotz der bedeutungsschweren Themen wird Melfis Werk nicht zum historischen Fingerzeig, sondern transportiert vielmehr ein „We can do it“-Gefühl, untermalt durch Musik wie Pharell Wiliams ‚Runnin‘. Es darf auch mal gelacht werden. Zum Beispiel, wenn Mary Katherine ihrem Verehrer im kessen Tonfall erklärt: „Frauen haben bedeutende Dinge vollbracht und nicht weil wir Röcke tragen, sondern weil wir Brillen tragen!“ und auf dem Absatz kehrt macht. Die Inszenierung akzentuiert immer wieder den Charme und Tatendrang ihrer rebellischen Protagonistinnen.

Melfi geht in Hidden Figures Wege außerhalb von Hollywoods typischer Schleimspur. Allein schon dadurch, dass er sich wenig beleuchteten Leistungen von Wissenschaftlerinnen an den zentralen Errungenschaften unserer Zeit widmet und somit die Perspektive auf die Vergangenheit – zugunsten der Women of Color bei der NASA – verschiebt.

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